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Zurück 21.10.2009   Cannstatter Zeitung

Salagon Quartett September 2009 Ideenreiches Klangfeuerwerk
Bad Cannstatt : Salagon-Quartett begeisterte bei „Cultur in Cannstatt“ und Pro Alt-Cannstatt mit Boccherini und Mozart
Das Salagon-Quartett mit Dietlind Mayer (Viola), Gesine Queyras, (Violincello), Christine Busch (1. Violine), Verena Sommer (2. Violine) (v.li.).Foto: Wenzel

(rw) - Geographisch ist die ehemalige Abteikirche Salagon bei Forcalquier ein Ende weg von Stuttgart. Aber wenn sich dort seit mehr als 20 Jahren in der zweiten Julihäfte renommierte Musiker aus der ganzen Welt zum „Kammermusikfestival der Provence“ zusammenfinden, entsteht unter der künstlerischen Leitung von Gesine und Jean-Guihen Queyras in dem romanischen Kirchenbau eine intensive Atmosphäre Jahrhunderte überspannender musikalischer Beseelung. Christine Busch - seit 2000 Professorin der hiesigen Musikhochschule - wollte diesen Geist mit nach Stuttgart nehmen. Im Jahre 2004 gründete sie deshalb das Salagon Quartett, dem seither auch die Cellistin Gesine Queyras angehört. Die vier Musikerinnen möchten aus ihrer natürlichen Spielfreude heraus mit möglichst epochenadäquaten Streichinstrumenten die Vielfarbigkeit der historischen Kompositionen neu erklingen lassen. Am Sonntagabend gelang ihnen das im Kleinen Kursaal mit so spielerischer Harmonie, als gehörten auch Verena Sommer (2. Violine) und Dietlind Mayer (Viola) von Anfang an dazu. Dabei mussten die beiden bei Konzertbeginn mündlich „nachnominiert“ werden.
Die vier spielten das opus 1 von Luigi Boccherini, der 1761 das Streichquartett als musikalische Form erfand, und so die höfische Musik bürgerlichen Zuhörern erstmals zugänglich machte. Im Programm am Sonntag folgten zwei Quartette Mozarts, (KV 421 und 499) der - gut 20 Jahre nach Boccherini - aus dem galanten Spiel eine musikalische Welt hatte werden lassen, die sich geradezu rauschhaft entfaltete zu einem ideenreichen farbenfrohen Klangfeuerwerk. Eingeladen hatte der Verein „Cultur in Cannstatt“, zusammen mit „Pro Alt-Cannstatt“, um das gemeinsame Interesse am kulturellen Angebot für das „gutbürgerliche Publikum von Bad Cannstatt“ deutlich werden zu lassen, wie Manfred Elser von Cultur in Cannstatt erklärte. Hans Betsch von Pro Alt-Cannstatt erinnerte sich, dass ihre eigenen Vorhaben viel besser voran gekommen waren, wenn die Nachbarvereine mitmachten. Beide hoffen auf eine Verstärkung des kulturellen Echos in der Sauerwasserstadt durch diesen Synergieeffekt. Den Musikerinnen des Salagon Quartett hätten auch der Liederhalle zur Ehre gereicht. Mit leichter Hand entlockten sie ihren Instrumenten die galanten Klangfolgen Boccerinis, ließen die 2. Geige eifrig zu Wort kommen oder das Cello hingebungsvoll träumen. Verhalten begannen die drei Instrumente den zweiten Satz, bis die 1. Geige virtuos den Klangsturm entfesselte, während die Bratsche ihre Klangwelt im geschützten Raum farbig auffaltete und sich hineinkuschelte. Und die Spielfreude von allen pendelte zwischen dem energischen Aufgalopp und den zarten Strichen und pizzicati der Tonidyllen des 3. Satzes. Die volle Souveränität ihres klaren, facettenreichen Spiels entfalteten die virtuosen Musikerinnen bei den Mozart-Stücken, die sie zur Klangkathedrale aufstrahlen ließen. Lang anhaltender Beifall des begeisterten Publikums war der wohlverdiente Lohn.
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